Wandern im Naturpark auf dem Saar-Hunsrück-Steig_1

Handwerk und Tradition - hautnah erleben

Die traditionelle Mühle, einst das wichtigste Glied in der Kette der menschlichen Versorgung, hat auch im Naturpark Saar-Hunsrück eine wichtige Bedeutung gehabt. Die Mühle ist ältestes Zeugnis der menschlichen Technikgeschichte, älteste Kraftmaschine der Welt und der Mensch hat in der Mühle zum ersten Mal die Energie des Wassers zum Antrieb genutzt. Früher besaß fast jedes kleinere Dorf im Naturpark eine oder mehrere Mühlen. Die meisten Mühlen dienten zum Mahlen von Getreide, zum Pressen von Öl, zum Stampfen oder Sägen. Bis ins 19. Jahrhundert lieferten kleine Wassermühlen (sogenannte Bauernmühlen) Grütze und Mehl für das tägliche Brot sowie Schrot und Kleie für das Vieh. Bereits im 7. Jahrhundert wurden mehrere Mühlenanlagen in Schriften erwähnt. Das einzige ehemalige Mühlengebäude der Stadt Merzig die Fellenbergmühle wurde durch Umnutzung zur Werkstatt und beherbergt heute ein Feinmechanisches Museum. Die Feckweiler Mühle bei Birkenfeld wurde im 16. Jahrhundert als Getreidemühle betrieben. Nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg und dem Wiederaufbau diente die Mühle den Gerbern als Lohrmühle.

Erst im 18. Jahrhundert wurde sie zu einer Ölmühle umgerüstet. Das "Technische Kulturdenkmal" ist bis auf die Wasserzuführung noch völlig erhalten. Weitere sehenswerte Getreidemühlen sind die Hackenberger Mühle in Saarburg, die Historische Mühle in Allenbach und die Johann-Adams-Mühle bei Tholey-Theley. Die Fellenbergmühle wurde 1767 als Mahlmühle in Merzig am Seffersbach erbaut. 1898 gründete Johann Peter hier einen feinmechanischen Betrieb. Heute ist ein feinmechanisches Museum in der Mühle beheimatet. Weitere Mühlen im Naturpark Saar-Hunsrück, die einer weitergehenden Nutzung zugeführt wurden sind z. B. die Bettinger Mühle in Schmelz, die Johann-Adams Mühle in Tholey-Theley, die Herrenmühle in Freudenburg-Kollesleuken, die Feckweiler Mühle, die Hackenberger Mühle in Saarburg, die historische Mühle in Allenbach sowie zahlreiche Mühlen in der Gemeinde Morbach, die bei einer romantischen Mühlenwanderung erkundet werden können.

Doch nicht nur Mühlen gehören zum Handwerk und Brauchtum im Naturpark Saar-Hunsrück. Die seit 1770 in Saarburg ansässige Bronze-Glockengießerei Mabilon zählt zu den ältesten Glockengießereien in Deutschland. Zwar werden dort am Fuße der Saarburg keine Glocken mehr gegossen, ein Besuch des Museums oder der kulturellen Veranstaltungen dort lohnt sich dennoch jederzeit. Die älteste erhaltene Mabilonsche Glocke Deutschlands wurde zur Zeit des dreißigjährigen Krieges gegossen. Im mittelalterlichen Stadtkern von Baumholder befindet sich die "Alte Schmiede Bier". Bereits 1840 hat die Familie Bier dort dieses Handwerk ausgeübt und bis 1973 rauchte an dieser Stelle die Esse. Neben allen notwendigen Handwerksgeräten sind Exponate aus zwei Jahrhunderten zu sehen. Der Züscher Hammer, eine ehemalige Eisenschmelze mit Hammerwerk, liegt unweit der Orte Züsch und Neuhütten. Seine Anfänge gehen bis in die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg zurück. 1698 erfolgte unter dem Belgier de Hauzeur die erste Eisenproduktion. 1834 wurde der Betrieb eingestellt. Nach ersten Freilegungsarbeiten 1983 werden derzeit Restaurierungs- und Wiederaufbauarbeiten durchgeführt.

Seit über 100 Jahren dient die Historische Wasserschleife Biehl in Asbacherhütte der jetzigen Eigentümerfamilie als Edelsteinschleiferei. Die wassergetriebene Schmucksteinschleiferei ging wahrscheinlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus einer Gipsmühle hervor. Die äußere und innere Technik ist unverändert erhalten, funktionsfähig und nach wie vor in gewerblichem Betrieb. Das Volkskunde- und Freilichtmuseums Roscheider Hof in Konz ist das Freilichtmuseum der SaarLorLux-Region. Im Museumsgelände befindet sich ein Hunsrückdorf mit Bauernhäusern, Ställen, einem Backhaus, einer Schmiede und einem Schulhaus. Die Häuser des Dorfes konnten an ihrem ursprünglichen Standort nicht erhalten werden. Weiterhin besitzt das Freilichtmuseum Roscheider Hof eine große volkskundliche Sammlung zur Geschichte unserer Region und veranstaltet regelmäßig Vorführungen zu alten Handwerkstechniken.

In direkter Nähe des Naturpark-Informationszentrums Hermeskeil befindet sich ein weiteres Museum der besonderen Art: das Hochwaldmuseum. Hier werfen Sie einen Blick in die Vergangenheit und erleben, erkunden und entdecken die Welt unserer Ahnen. Das Museum hat ganzjährig für Groß und Klein geöffnet und ist einen Besuch wert!

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